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Berufsbild des Bilanzbuchhalters in Deutschland

Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, und Prüfungen, die abgelegt werden müssen, um die jeweilige Berufsbezeichnung zu erwerben Beschreibung der Tätigkeiten, Aufgaben und Positionen, die üblicherweise den Personen, die diese Berufsbezeichnung in Deutschland führen, zugesprochen werden.

 

Bezeichnung in Deutsch

Äquivalent in Englisch

Buchhalter

Bookkeeper oder Accounting Clerk

Bilanzbuchhalter*

Certified Management Accountant

Steuerberater

Tax Consultant

Wirtschaftsprüfer

Chartered Accountant (GB)
Certified Public Accountant (US)

 

*Anmerkung: Die wörtliche Übersetzung von "Bilanzbuchhalter" in’s Englische würde "Balance Sheet Accountant" sein, was praktisch bedeuteten würde "Angestellter Buchhalter, der qualifiziert ist, den Jahresabschluß zu erstellen" = (Company Accountant who is qualified to balance end-of-year account). Da der Gebrauch der wörtlichen Übersetzung stets weitere Fragen und manchmal umständliche Erklärungen verursacht, sagen wir auf Englisch einfach "Certified Management Accountant". Das ist kürzer und hat sich als verständlicher als die obige Übersetzung und Erklärung erwiesen.

 

Bezeichnung in Deutsch

Äquivalent in Englisch

Buchhalter

Bookkeeper or  Accounting Clerk

 

Hat eine Lehrzeit von zwei oder drei Jahren in einer beliebigen Branche des Handels oder der Industrie abgeschlossen, die eine angemessene Ausbildungszeit im Rechnungswesen des ausbildenden Unternehmens beinhaltet haben muss, und während der er zur gleichen Zeit die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene kaufmännische Berufsschule , in der auch in den Grundlagen der Buchführung und des Rechnungswesens Unterricht gegeben wird, besuchte. Er beendigte diese Lehrzeit mit der erfolgreichen Teilnahme an einer Prüfung und erhielt darüber ein Zeugnis, das in Deutschland als "Kaufmannsgehilfenbrief" bekannt ist.

Wenn er, gleich nach der obigen Prüfung oder auch erst später, in der Buchhaltung oder einer Abteilung des Rechnungswesens arbeiten möchte, wird er als Buchhalter oder als kaufmännischer Angestellter des Rechnungswesens von einem kaufmännischen Unternehmen angestellt. Für eine solche Anstellung ist keine zusätzliche Ausbildung oder Prüfung erforderlich, weil er dort üblicherweise als Jungangestellter anfängt und im allgemeinen die speziellen Fertigkeiten eines versierten Buchhalters bei der Verrichtung praktischer Arbeit erwirbt.

 

Bezeichnung in Deutsch

Äquivalent in Englisch

Bilanzbuchhalter

Certified Management Accountant

 

Zusätzlich zu den oben beschriebenen Anforderungen an den Buchhalter, muss er mindestens 3 Jahre auf dem Gebiet des Rechnungswesens von Handel und Industrie gearbeitet haben, und hat üblicherweise während dieser Zeit an Fortbildungskursen teilgenommen, entweder an Abend- und Wochenendlehrgängen über einen Zeitraum von 1 oder 2 Jahren oder an einem ganztägigen Lehrgang von etwa 3 - 6 Monaten.

Er hat diese zusätzliche Ausbildung durch erfolgreiche Ablegung einer Prüfung vor einer deutschen Industrie- und Handelskammer  abgeschlossen, die „Bilanzbuchhalterprüfung" genannt wird, und hat darüber ein Zeugnis erhalten, das ihm das Recht zuerkennt, sich als „Geprüfter Bilanzbuchhalter" (Certified Management Accountant) zu bezeichnen.

Das durch diese Lehrgänge vertiefte Wissen und ebenso die in der Prüfung gestellten Anforderungen umfassen hauptsächlich die folgenden Stoffgebiete:

Anwendung der verschiedenen Buchhaltungs-  Buchhaltungs- und Rechnungslegungssysteme;
Organisation der Buchhaltungsverläufe;
Abschlussbuchungen zur Vorbereitung der Bilanz;
Erstellung der Jahresabschlussbilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung;
Analyse der durch Rechnungslegung und Bilanzierung erhaltenen Ergebnisse;
Erstellung der Berichte an die Geschäftsleitung und der Steuererklärungen;
Gesetze und Durchführungsverordnungen alle Steuerarten betreffend;
Besonderheiten hinsichtlich Besteuerung von Unternehmen und von juristischen Personen;
Verschiedene Methoden und Abläufe der Betriebsbuchhaltung; Betriebsabrechnung einschließlich Kalkulation und Nachkalkulation;
Finanzierung des Unternehmens und Erstellung des Liquiditätsplanes und Budgets.

Der Lehrstoff, der in den oben erwähnten Lehrgängen unterrichtet wird, ebenso wie der Stoff der Prüfungsarbeiten und -fragen, müssen sich im Einklang mit dem offiziellen Rahmenstoffplan, der vom Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) (The Association of German Chambers of Industry and Commerce) erlassen wurde, befinden.

Der Bilanzbuchhalter (Certified Management Accountant) wird vorwiegend in leitenden Stellungen der Unternehmungen angestellt, wie z.B. Leiter der Buchhaltung , Leiter der Internen Revisionsgruppe, Controller , Leiter des Finanz- und Rechnungswesen. Nach einigen , weiteren Jahren Berufserfahrung als Bilanzbuchhalter kann er sogar auch als Finanzdirektor Mitglied der Geschäftsleitung von mittelgroßen Unternehmen werden.

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (oder deren Sozietäten Partnerschaftend Gesellschaften) stellen sehr oft gern den Bilanzbuchhalter als "gehobenen" Buchhalter zur Erledigung der Buchführung ihres eigenen Büros und/oder zur geschäftsmäßigen Ausführung - aber stets als ihr Angestellter von Buchführungsarbeiten ihrer Mandanten ein. Falls der Bilanzbuchhalter beabsichtigt, später auch noch die Prüfung zur Bestellung als Steuerberater oder als Wirtschaftsprüfer abzulegen, mag das für ihn auch eine zweckmäßige Art von Angestelltenverhältnis sein.

Eine beträchtliche Anzahl von Bilanzbuchhaltern verrichten ihre Arbeit auch auf freiberuflicher Basis (ca. 20.000)

( Bemerkung zu den Aktivitäten der Bilanzbuchhalter die ihre Dienste als Freiberufler anbieten: )

Im Gegensatz zum deutschen Steuerberater ist es dem deutschen Bilanzbuchhalter, der als Freiberufler arbeitet, nicht erlaubt die folgenden Arten von Arbeiten geschäftsmäßig für seine Kunden zu verrichten:

Einrichtung von Buchhaltungssystemen und -verfahren;
Vorbereitungen zur Erstellung des Jahresabschlusses;
Erstellung des Jahresabschlusses und der Bilanz;Durchführung des Jahres-Lohnsteuerausgleichs für Arbeitgeber;
Errechnung und Einreichung der monatlichen oder vierteljährlichen Umsatzsteuervoranmeldung.

Die geschäftsmäßige, freiberufliche Durchführung dieser Tätigkeiten ist in Deutschland nur den Steuerberatern erlaubt. (Ausnahme: Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer). Diese Bestimmung ist im deutschen Steuerberatungsgesetz festgelegt.

Ergebnis dieser gesetzlichen Einschränkung ist, dass es dem als Freiberufler tätigen Bilanzbuchhalter geschäftsmäßig lediglich erlaubt ist, die täglich anfallenden, laufenden Buchungen innerhalb des bei seinem Kunden bestehenden Buchhaltungssystems zu erledigen, sowie die monatliche Lohnsteuererklärung zu erstellen.

Der Arbeitskreis der selbständigen (freiberuflich tätigen) Bilanzbuchhalter, der sich innerhalb unseres Vereins gebildet hat, betrachtet diese gesetzliche Bestimmung als unangemessene Maßnahme zugunsten der deutschen Steuerberater.

 

Bezeichnung in Deutsch

Äquivalent in Englisch

Steuerberater

Tax Consultant

 

Hat ein Universitätsstudium der Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft oder Jurisprudenz mit dem Erwerb des entsprechenden Diploms bzw. Staatsexamens abgeschlossen, und danach mindestens 3-Jahre in Praxis auf dem Gebiet der von den Bundes- und Landesbehörden verwalteten Steuern gearbeitet. Alternativ wird als Voraussetzung auch der Abschluss des Studiums an einer Fachhochschule, in den gleichen Fachgebieten wie oben, und danach 4-Jahre Praxis sowie auch der erfolgreiche Abschluss einer Lehrzeit bei einem Angehörigen des steuer- oder wirtschaftsberatenden Berufes (z.B. als Steuerfachgehilfe) oder sogar auch eines kaufmännischen Berufes (z.B.Kaufmannsgehilfenbrief s.o.) und 10-Jahre praktische Tätigkeit im Steuerwesen, anerkannt.

Nach erfolgreicher Teilnahme an der Steuerberaterprüfung, die auf bundeseinheitlicher Basis von einer gemischten Prüfungskommission des jeweiligen Landesfinanzministeriums und der Steuerberaterkammer vorgenommen wird (in Deutschland bekannt als „Steuerberaterprüfung"), wird er als „Steuerberater" (Tax Consultant) zur Steuerberatung ermächtigt.

Er muß seine Tätigkeiten geschäftsmäßig ausschließlich als Freiberufler ausführen und darf ein, noch dazu mit gesetzlich vorgeschriebenen Besonderheiten ausgestattetes Angestelltenverhältnis nur mit den im Steuerberatungsgesetz (Tax Consultants’ Act) und der Berufsordnung im einzelnen aufgeführten, natürlichen oder juristischen Personen eingehen. Zudem muß er Mitglied der Steuerberaterkammer sein. Steuerberatende Tätigkeit wird nicht als gewerbliche Tätigkeit gewertet.

Als steuerberatende Tätigkeit ist nach dem Gesetz u.a. anzusehen:

Geschäftsmäßige Hilfeleistung in allen Steuerangelegenheiten unter Beachtung der jeweiligen Steuergesetze und -verordnungen;
Geschäftsmäßige Hilfe bei der Erfüllung von Buchführungspflichten und Rechnungslegung nach Handels- und Steuerrecht, und damit im Zusammenhang stehende betriebswirtschaftliche Beratung;
Die Aufstellung der Steuer- und Handelsbilanzen , deren steuerrechtliche Beurteilung, und die damit im Zusammenhang stehende rechtliche und betriebswirtschaftliche Beratung;
Ausfüllung und Abgabe aller notwendigen Steuererklärungen und /oder an Behörden abzugebende Erklärungen steuerlichen Inhalts;
Einlegung von Rechtsmitteln für seinen Mandanten bei den Finanzbehörden und dem Finanzgericht und handeln als Vertreter bei Rechtsmitteleinlegung und in rechtlichen Verfahren;
Dasselbe in Verfahren wegen Steuerstrafsachen.

Auch die steuerberatende Tätigkeit für natürliche Personen, die weder beruflich noch freiberuflich tätig sind und kein Gewerbe betreiben, ist ausschließlich dem Steuerberater erlaubt. (Ausnahme: auch den Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern erlaubt).

 

Bezeichnung in Deutsch

Äquivalent in Englisch

Wirtschaftsprüfer

Chartered Accountant (Br.)
Certified Public Accountant (US)

 

Hat im Regelfall ein Universitätsstudium folgender Fachrichtung mit dem Erwerb des entsprechenden Diploms bzw. Staatsexamens abgeschlossen, nämlich:

der Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft der Jurisprudenz der Technischen Wissenschaftender Landwirtschaftlichen Wissenschaften

Im Anschluss daran erfolgte eine mindestens 4jährige praktische Prüfungstätigkeit, von denen 2Jahre bei einem Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer (oder in deren beruflichen Soziteten, Partnerschaften oder Gesellschaften ) abgeleistet sein mussten. Während dieser Zeit muss er an gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungshandlungen und an der Abfassung von Berichten darüber aktiv teilgenommen haben.

Bei Nichtakademikern kann das fehlende Universitätsstudium durch eine mindestens 10jährige Tätigkeit als Mitarbeiter bei den vorgenannten Berufsträgern ersetzt werden. Von einem evtl. Studium in Wirtschaft an einer Fachhochschule können auf die 10 Jahre höchstens 4 Jahre angerechnet werden.

Nach Erfüllung dieser Voraussetzungen hat er einen Antrag auf Zulassung zur Prüfung bei der obersten Landesbehörde für Wirtschaft, die eine Zulassungsausschuss und einen Prüfungsausschuss bildet, einzureichen.

Dort legt er auch die entsprechende Prüfung ab. 

Ablauf und Inhalte der Prüfung sind vom Gesetzgeber in der Prüfungsordnung für Wirtschaftsprüfer festgelegt. Prüfungsgebiete sind:

Wirtschaftliches Prüfungswesen , betreffend die laufende Rechnungslegung Prüfung des End- (Jahres-) abschlusses;
Betriebswirtschaft , Volkswirtschaft
Wirtschaftsrecht
Steuerrecht

Die zu diesen Hauptfächern gehörenden und zu prüfenden Unterfächer sind detailliert in § 5 der Prüfungsordnung für Wirtschaftsprüfer aufgeführt. Für Prüfungsteilnehmer, die bereits Steuerberater sind, kann die mündliche und auch die schriftliche Prüfung im Steuerrecht entfallen. Zur Vorbereitung auf diese sehr schwierige Prüfung hat er üblicherweise an sich über einen längeren Zeitraum erstreckende Schulungslehrgängen und Repetitorien teilgenommen, Veranstalter dieser Vorbereitungsmöglichkeiten ist ebenprivaten Schulen und Lehrgangsträgern , vor allem das Institut für Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. .

Nach bestandener Prüfung wird der Bewerber auf Antrag von der obersten Landesbehörde für Wirtschaft als Wirtschaftsprüfer bestellt, muss aber vor Aushändigung der Bestellungsurkunde einen Berufseid leisten.

Der bestellte Wirtschaftsprüfer darf nur als Freiberufler tätig sein und muss kraft Gesetzes der Wirtschaftskammer angehören. Er darf ein berufliches Siegel führen. Mit Angehörigen anderer freier Berufe (oder deren beruflichen Sozietäten Partnerschaften oder Gesellschaften) darf er nur im Einklang mit den in der Wirtschaftsprüferordnung (WPO) genannten Bestimmungen zusammenarbeiten bzw. als deren zeichnungs- und vertretungsberechtigter Angestellter tätig sein.

Aufgabengebiete des Wirtschaftsprüfers sind:

Betriebswirtschaftliche Prüfungen; ) auf gesetzlich vorgeschriebener
Jahresabschlussprüfungen ; ) oder freiwilliger Basis
Erteilung von Bestätigungsvermerken hinsichtlich ihrer Prüfungen;
Sonstige Prüfungstätigkeiten, z.B Organisations-, Kosten- und Preisprüfungen;
Wirtschaftlichkeitsprüfungen Bonitätsprüfungen;
Unterschlagungsprüfungen ;
Nach Aktiengesetz vorgesehene Sonderprüfungen;
Gründungsprüfung ;
Prüfungen bei Verschmelzungen, Umwandlungen und Kapitalerhöhungen;
Beratung und Vertretung in steuerlichen Angelegenheiten; (gleich einem Steuerberater oder Rechtsanwalt) ;
Tätigkeit als Sachverständiger auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Betriebsführung;
In wirtschaftlichen Angelegenheiten zu beraten und fremde Interessen zu wahren;
Treuhänderische Vertretung.